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Interview im Dienste Ihrer Majestät: 1. Teil

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"James Bond 007: Casino Royale" erscheint am 19. März auf Blu-ray Disc und UMD. Aus diesem Anlass gewährt uns Regisseur Martin Campbell einen Einblick in die Entstehung des neuesten Bond-Films.

Nach zehn oder elf Jahren haben Sie sich noch einmal dazu entschieden, einen James Bond-Film zu drehen. Bereits in "GoldenEye" gab es einen neuen Hauptdarsteller und auch "Casino Royale" setzt mit Daniel Craig auf einen neuen Bond. Wie gestalteten sich die Dreharbeiten dieses Mal?

Das Konzept war ein anderes. "GoldenEye" war ein traditioneller Bond-Film. Trotz eines neuen Schauspielers war die Story doch sehr an den vorherigen Filmen angelehnt, mal abgesehen davon, dass Agent 006 hier zum Feind von James Bond wird. Und die Bösewichte wollten natürlich wieder die Welt zerstören. Der neue Bond-Film hingegen ist sehr viel bodenständiger. Es gibt keine extremen Explosionen oder unglaubwürdigen Actionszenen.

1995 wurden Sie für das James Bond-Comeback hochgelobt. Trotzdem war man sich nicht sicher, ob "GoldenEye" ein Erfolg werden würde. Warum müssen es immer neue Bonds sein?

Ich mache das ja erst zum zweiten Mal! Und man muss auch die 8-jährige Pause zwischen "GoldenEye" und "Lizenz zum Töten" mit Timothy Dalton in Betracht ziehen. Pierce [Brosnan] war einfach perfekt für die Rolle. Das Publikum wollte endlich wieder James Bond auf der Leinwand sehen. Aufgrund von rechtlichen Differenzen war es schwieriger, einen neuen Film an den Start zu bringen. Nach dieser langen Wartezeit kam also Pierce und die Zuschauer liebten ihn. Jetzt ist es aber an der Zeit für einen neuen Bond.

Hatten Sie auch Einfluss auf die Wahl von Daniel Craig als neuen Hauptdarsteller?

Natürlich. Wir alle, Barbara [Broccoli], Michael [Wilson], mussten uns auf einen neuen Bond einigen. Es gab sehr viele Kandidaten. Die Spekulationen überschlugen sich, aber wir haben uns jeden Bewerber angeschaut, ein paar davon näher betrachtet und uns letztendlich für Daniel entschieden. Wir wussten einfach, dass er der richtige Mann für den Job war.

Was mochten Sie an Daniel?

Zum Ersten ist er natürlich ein ausgezeichneter Schauspieler. Außerdem passte er hervorragend in unser Konzept und er entsprach unseren Vorstellungen eines weitaus realistischeren Ansatzes. "Casino Royale" ist ein recht interessantes Buch. Es ist das erste Buch von Ian Flemming aus dem Jahre 1953 und spielt während des Kalten Krieges. Da gab es zum Beispiel die "Smersch", Flemings Version des KGB. Das Buch war außerdem äußerst realistisch. Es gibt keine unglaubwürdigen Situationen und Handlungen und James Bond hat auch eine sehr menschliche Seite. Er ist nicht der Smoking-tragende, frauenverführende Spion, den wir aus dem Kino kennen.

Also ist er eigentlich gar nicht der Weltmann, als den wir uns ihn vorstellen?

Nein. Er hat gerade seinen ersten Auftrag übernommen nachdem ihm der Doppel-Null-Status verliehen wurde. Eigentlich ist er noch ziemlich grün hinter den Ohren. Er muss beispielsweise jemanden töten, was ihm ganz und gar nicht leicht fällt und eher verstörend für ihn ist. Interessant ist auch, dass Bond viel zu viel trinkt und bis zu 70 Zigaretten am Tag raucht. (lacht)

Die Zeiten ändern sich ...

Oh ja. Er ist verletzlich und eine düstere Figur mit einer dunklen Seite. Ihm fällt es nicht leicht. Er kann Frauen nicht wirklich leiden. Im Buch wird auch erklärt, warum. Dort gibt es eine sehr gute Beschreibung, warum er Affären aus dem Weg geht und was ihn zu dieser Einstellung gebracht hat. Das ist alles sehr wahrheitsgetreu und kann ziemlich bedrückend wirken. Fleming stand zu dieser Zeit vor der Ehe mit einer Frau, die er eigentlich gar nicht heiraten wollte. Das Buch reflektiert diesen Lebensabschnitt sehr stark.

Sie haben die Geschichte etwas moderner gestaltet.

Wir waren dazu gezwungen, da die erste Hälfte des Buchs ausschließlich vom Kalten Krieg handelt. Im Buch ist Le Chiffre ein kommunistischer Mittelsmann, ein Agitator des KGB, der sich im Süden Frankreichs aufhält und in Vorbereitung einer russischen Invasion Industriesabotage plant. Er investiert sein Budget in ein Bordell, doch kurz danach wird das Prostitutionsgesetz geändert. Er steht jetzt nicht nur mittellos da, sondern hat zudem noch das Geld des KGB aus dem Fenster geschmissen. Also organisiert er ein Bakkarat-Turnier - im Film ist es jedoch Texas Hold 'em [Poker] -, um das verlorene Geld zurückzugewinnen. Diesen Teil haben wir nicht geändert.

Im Film ist Le Chiffre allerdings ein Börsenspekulant, der im Auftrag der Terroristen der Welt arbeitet. Er wäscht das Geld verschiedener Terrororganisationen, investiert dieses Geld und zahlt es wieder an die Terroristen aus. Natürlich ist die Regierung diesen Vorgängen auf der Spur und eine Organisation in Paris befasst sich mit diesem Fall. Le Chiffre verwendet also das Geld, das er von einer bestimmten Terrororganisation erhalten halt, und spekuliert damit an der Börse. Wie sollte es anders sein, verspekuliert er sich und muss nun einen Weg finden, das Geld zurückzugewinnen. Hier weichen wir also etwas vom Buch ab. Natürlich wird nun Bond auf ihn angesetzt.

Was hat Sie davon überzeugt, dass Daniel Craig "Ihr" James Bond ist?

Obwohl es bei "Layer Cake" um Drogen ging, überzeugte uns der ganz besondere Charme. Daniel hat im Film eine besondere Ausstrahlung. Man kennt ihn eigentlich aus eher schwereren Filmen wie "Enduring Love", "Die Mutter - The Mother", "Sylvia", und meiner Meinung nach ist "München" das Beste, was er bisher gemacht hat, obwohl er kaum ein Wort spricht. Er strotzt nur so vor Leben. Er ist so allgegenwärtig und man kann nicht anders, als ihm zuschauen. Und wie schon gesagt, sollte der neue Bond düsterer sein. Daniel ist in der Lage, dies rüberzubringen. Ein bisschen so wie [Sean] Connery das auch konnte. Er hat diese dunkle Qualität, die auch Connery auszeichnete - eine Bildschirmpräsenz eines Menschen, der durchaus allein zu Recht kommt. Daniel besitzt diese Aura.

Waren Sie auch der Meinung, dass das Franchise neu aufgelegt werden sollte?

Ja. Wissen Sie, der letzte Film hat Unmengen von Geld geschluckt, aber Barbara und Michael haben schon damals gefragt: "Wie lange können wir noch so weitermachen? Wie lange können wir das Bild des 'Retters der Menschheit' noch aufrechterhalten?" Letztendlich wiederholte sich doch alles.

Hatten andere zeitgenössische Filme Anteil an der Entscheidung, James Bond neu zu erfinden? Die "Bourne"-Filme mit Matt Damon waren sehr erfolgreich.

Das sind topaktuelle Filme. Ich liebe "Die Bourne-Identität" und Paul Greengrass ist ein äußerst talentierter Regisseur. Er verleiht seinen Filmen einen Dokumentarstil, der sehr zum Realismus beiträgt. Wir haben uns darüber Gedanken gemacht. Ich glaube auch, dass Cubby Broccoli schon immer "Casino Royale" verfilmen wollte. Er setzte also alles daran, die Rechte für das Buch zu erhalten und den Film drehen zu dürfen. Leider starb er, bevor er seine Leidenschaft verwirklichen konnte. Barbara und Michael nahmen die Sache sofort in die Hand.

Dieses Interview fand in London während des Schneidens von "James Bond 007: Casino Royale" satt.

"James Bond 007: Casino Royale" erscheint am 19. März auf Blu-ray Disc und UMD. Weitere Informationen findest du auf der offiziellen Website von Sony Pictures.

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Datum: 16/03/07
Kategorie: News

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