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Dieses Inselparadies ruft Erinnerungen an den Roman "Herz der Finsternis" von Joseph Conrad wach, zog aber in jüngster Vergangenheit eine ganz andere Sorte von Besuchern an ...
Ähnlich wie Conrads Beschreibung des Kongo ist auch die Insel ein idyllischer, geheimnisvoller Ort, an dem Schönheit und Gewalt Hand in Hand gehen. Wenn du das erste Mal über den weichen, weißen Sand spazierst, der die atemberaubende Landmasse umrahmt, und du deinen Blick nach oben in Richtung des brodelnden Vulkans richtest, musst du aufpassen, dass dir nicht schwindlig wird. Der Schlot des Vulkans ist von Wolken verdeckt, und der untere Teil liegt unter dichtem Dschungeldickicht verborgen.
Nur einige wenige Forscher wagen sich bei der hohen Luftfeuchtigkeit durch die dichte Vegetation, um tiefe Lagunen und rauschende Wasserfälle zu entdecken, die jeweils die beiden gegensätzlichen Eigenschaften vereinen, für die die Insel so berühmt ist: Schönheit und Tücke.
Wenn du genau hinsiehst, erkennst du, dass hier früher einmal der Tourismus blühte und Zuckerplantagen bewirtschaftet wurden. Als in den späten 60er Jahren der mächtige Vulkan ausbrach, floh die gesamte Bevölkerung von der Insel, und einst lebendige, idyllische Urlaubsorte wie Paradise Beach wirken nun eher wie unheimliche Geisterstädte mit halb vom Sand bedeckten Gebäuden und Spielplätzen, auf denen Gerätschaften vor sich hinrosten.
Trotzdem erweist sich die Insel in diesem Jahr als ein Magnet für unzählige Besucher. Schiff um Schiff ankert vor der Küste und spuckt Pilger aus, die mit Fackeln in der Hand von Bord gehen. Innerhalb von ein paar Stunden ist der gesamte Strand von einem Meer an Zelten überzogen, und die durchdringenden Schreie von Zikaden werden von Hard Rock, Drum 'n' Bass und dem Röhren Tausender Motoren übertönt.
Unmengen von Besuchern haben sich hier zum "MotorStorm"-Festival versammelt, einem Wettbewerb, bei dem talentierte, furchtlose Fahrer auf Quads, Motorrädern, in Rallye-Autos, Lkws und Monster Trucks auf extrem schwierigem Gelände gegeneinander antreten. Früher wurden die Rennen im Monument Valley ausgetragen, einem unwegsamen, trockenen Gebiet zwischen den amerikanischen Staaten Arizona und Utah. Die Veranstalter sind bis heute nicht bekannt, aber das hält die Besuchermassen nicht davon ab, sich an Musik, Geschwindigkeit und Gefahr zu berauschen.
Die meisten von ihnen lassen sich anscheinend auch nicht von den Legenden beunruhigen, die sich um die Insel ranken. "Ich mache mir nichts aus Hokuspokus", spottet eine Frau, die am Motor eines Monster Trucks herumschraubt. Wenn du allerdings durch das Camp läufst, kommst du an Gerüchten über Lkws, die in abgrundtiefen Lavaseen versunken sind, und Motorradfahrern, die von Ästen mit Eigenleben aus dem Sattel geworfen wurden, nicht vorbei.
Insgesamt gibt es auf der Insel 16 Strecken, die tödlich enden können, auch wenn sie herrlich anzusehen sind. Sie winden sich durch Sturzbäche, an scharfen Kliffkanten entlang und in riesige Höhlen, die sich weit in das Vulkangestein hineinfressen. Die Rennteilnehmer treten alle mit ihrem eigenen Fahrzeug an und geben vor ihren Rivalen mit dessen einzigartigen Sicherheitsaspekten und der Geländegängigkeit an - aber in Wahrheit nutzt ihnen das alles nichts.
Motorräder sind zwar schnell und wendig, aber ein heimtückisch platzierter Baumstamm reicht aus, um den Fahrer rücklings ins Blattwerk zu werfen. Lkws können sich einen Weg durch das dichte Unterholz bahnen, sind aber auf gefährlichen Berghängen immer nur eine rutschige Kurve vom Absturz entfernt.
Angesichts solcher Gefahren ist die gute Stimmung der Rennteilnehmer bewundernswert. Die Fahrer sind so vielseitig und unterschiedlich wie ihre Lieblingssongs, die aus zahlreichen Fahrzeugen schallen. Neue Freundschaften werden geschlossen und Rivalitäten entstehen, weil jeder Fahrer seinen Namen an der Spitze der Bestenliste sehen möchte.
Schon allein ein Besuch auf der Insel fühlt sich beunruhigend an, geschweige denn die Aussicht, an einem Rennen teilzunehmen. Wie in "Herr der Fliegen" oder einer modernen Version von "Das verlorene Paradies" vermitteln der alles dominierende Vulkan und der undurchsichtige Dschungel ein unterschwelliges Gefühl von Bedrohung. Warum sich die Pilger ausgerechnet einen solch geheimnisvollen und gefährlichen Veranstaltungsort für die Rennen ausgesucht haben, bleibt ungeklärt. Klar ist nur eins: Das "MotorStorm"-Festival ist an Geheimnisse und Gefahren gewohnt.
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| Datum: | 10/09/08 |
|---|---|
| Kategorie: | Feature |

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